01.12.2010

Wer sich mit Machthabern anlegt, lebt gefährlich

Sie arbeiten irgendwo für einen Hungerlohn und sind einem Umgangston und einer Atmosphäre ausgesetzt, als befänden Sie sich in einem Straf-Arbeitslager? Sie werden von Vorgesetzten und strebsamen Kollegen misstrauisch beobachtet und darauf getestet, ob Sie auf Kurs sind? In ihrer Firma wagt es niemand an arbeitnehmerische Mitbestimmungsrechte auch nur zu denken, weil alle, die das bisher taten, umgehend die Kündigung oder keine Vertragsverlängerung erhielten? - Das ist keine Seltenheit in Deutschland. Ich schätze, dass hier Millionen von Menschen einer solch unzumutbaren Arbeitssituation ausgesetzt sind.

Und warum werden solche Missstände so selten öffentlich? Weil Existenz bedrohende Nachteile mit einer Veröffentlichung verbunden wären. Die fristlose Kündigung, Unterstützungssperre beim Amt, gerichtliche Auseinandersetzungen, ggf. Schadensersatzforderungen. Per Arbeitsvertrag-Klausel wurde man zur Verschwiegenheit verpflichtet - für immer.

Etwas ähnliches, in noch gefährlicherer Dimension passiert mit denen, die mit ihren Veröffentlichungen oder öffentlichen Haltungen die Interessen noch machtvollerer Machthaber durchkreuzen oder deren Image beschädigen.

In Staaten, in denen rohe Gewalt üblich ist, tötet man diese Leute einfach oder sperrt sie in den Knast und foltert sie obendrein. Da, wo Gewalt offiziell verpönt ist und nicht offensichtlich werden darf, versucht man es erstmal mit Mobbing, Intrigen, Zähnefletschen und Machtmissbrauch.

Whistleblower nennt man diejenigen, die Zivilcourage zeigen und ohne Rücksicht auf persönliche Nachteile, brisantes Material einer Veröffentlichung zuführen. Mehr dazu und auch Beispiele, wie Machthaber bislang mit Whistleblowern verfuhren, finden Sie unter de.wikipedia.org/wiki/Whistleblowing

Wikileaks-Gründer Julian Assange lebt daher beispielsweise seit langem versteckt. Er ist hauptverantwortlich dafür, dass seit 2006 auf der Internetplattform Wikileaks Dokumente veröffentlicht werden, die Missstände und unethisches Verhalten von Regierungen, Unternehmen, Organisationen, etc. belegen und veranschaulichen.

Ich bin keine, die bei Vergewaltigungsanschuldigungen spontanen Unglauben zeigt, ganz im Gegenteil. Dass eine solche Anklage in den letzten Jahren aber gerade gegen Julian Assange gerichtet wurde und der Staat, in dem das vor längerem passiert sein soll, sich postwendend zur Ankündigung hochbrisanter und von allerlei Machthabern extrem gefürchteter und gehasster Veröffentlichungen von internem US-diplomatischem Schriftwechsel dazu entschließt, ihn gerade jetzt auch auf die Interpol-Liste (weltweite Suche) zu setzen, deutet regelrecht marktschreierisch darauf hin, dass er einfach nur irgendwie kaltgestellt werden soll. Zumindest sieht es danach aus, als hätten da Machthaber ihren Einfluss geltend gemacht und ein Procedere der Justiz - vermutlich das eines fremden Landes - beeinflusst.

Wenn wir das nicht massenhaft kritisch beobachten, wird Assange womöglich irgendwann mit Militäreinsatz aus einem Erdloch gezogen und sein Gesicht - gegen seinen Willen - in eine Kamera gehalten. Die Stimmung in bestimmten Kreisen wirkt auf mich entsprechend.

Die Welt hat aber ein Interesse an derartigen Veröffentlichungen. Beispiele dafür, dass und wie sie gesellschaftliche Verbesserungen zur Folge haben können, finden Sie ebenfalls unter de.wikipedia.org/wiki/Whistleblowing. Es gibt deshalb auch Überlegungen, Whistleblower mehr zu schützen, als dies bislang geschieht.

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