25.02.2011

Popstars for President?

Ich bin sehr gespannt, wohin man Guttenberg nun noch kommen lässt. Wie weit werden die Union, die auf ihn als Zugpferd angewiesen ist und der Springer-Verlag (BILD), der wieder mal seine Meinungsbildungsmacht für eigene Interessen nutzt, es treiben und welchen Erfolg werden sie dabei haben? Und glauben die Beteiligten, sie hätten Guttenberg dann später noch im Griff?
Gekämpft wird um all jene Wähler, die gar nicht wissen, was Urheberrechte sind und wissenschaftliche Werte bedeuten. Ihnen erzählt man was von vergessenen Fußnoten, gaukelt vor, es ginge um Kleinigkeiten, nichts wichtiges, was bürokratisches und verführt die Menschen dazu, blind Partei zu ergreifen.

Gegen Guttenbergs Diebstahl und Betrug kann man klagen, gegen den Missbrauch und die Verstärkung von Unmündigkeit leider noch nicht.

Die Staatsanwaltschaft soll den Fall bereits auf dem Tisch haben. Allerdings genießt Guttenberg als Minister Immunität, die der Bundestag erstmal aufheben müsste, damit das verfolgt werden kann. Und ob das bei der schwarz-gelben Mehrheit zum Beschluss kommt, ist mehr als fraglich.

Mich interessiert jedoch vor allem, wie lange sich große Teile der Bevölkerung, die sich eigentlich sehnlichst Integrität wünschen, aber die offensichtlichste Version von Korrumpierbarkeit wählen, noch zu Deppen machen lassen.

Mehr dazu und Nachträge:

  •  Uni-Bericht zur Plagiatsaffäre: Guttenberg sperrt sich gegen Aufklärung (tagesschau.de, 08.04.2011)
    "[...] Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, der offizielle Uni-Bericht komme zu dem Schluss, dass Guttenberg bei seiner Doktorarbeit absichtlich abgeschrieben und damit bewusst getäuscht habe.[...]"
  • Vgl. auch Guttenberg 2009 (faz.net, 25.02.2011)
    "[...] Wer hier am Werk war, wusste, was er tat. [...]"
  • Bund der Blender (neues-deutschland.de, 25.02.2011)
    "[...] Und weil bei der Kampagne für Guttenberg Misstöne stören, blendet »Bild« seit Tagen Negatives über den Politiker entweder aus, wird versucht, dessen Kritiker wahlweise lächerlich zu machen oder ihnen eine Verschwörung gegen »Deutschlands beliebtesten Politiker« unterstellt. [...]"
  • Hochschulverband: Wissenschaft wird politisch kleingeredet (abendblatt.de, 25.02.2011)
    "[...] Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat das Verhalten von Teilen der Politik in der Guttenberg-Plagiatsaffäre scharf kritisiert. „Die Marginalisierung schwersten wissenschaftlichen Fehlverhaltens durch höchste Repräsentanten unseres Staates ist empörend“, erklärte DHV-Präsident Bernhard Kempen in Bonn. [...]"
  • Guttenbergs Universität im Strudel des Skandals (stern.de, 25.02.2011)
    "[...] Die indirekten wirtschaftlichen Verflechtungen der Universität mit der Familie Guttenbergs hätten zu einem gefälligen Umgang mit dem prominenten Studenten geführt [...]"
  • Uni will Täuschungsvorwürfe prüfen (focus.de, 24.02.2011)
    "[...] „Jetzt finde ich es hoch interessant, an wen die Aufträge gehen sollen, mit denen für Freiwillige geworben werden soll: Nämlich ausschließlich an Bild, BamS und Bild.de“, bemängelte der Grünen-Politiker. [...]"
  • Vom Tarnen und Täuschen (fr-online.de, 24.02.2011)
    "[...] Der in Bayreuth lehrende Staatsrechtler Oliver Lepsius sagte der FAZ: „Wir sind einem Betrüger aufgesessen.“ [..]"
  • Die Droge Guttenberg (tagesspiegel.de, 24.02.2011)
    "[...] Deshalb haben sie jetzt Angst bei CDU und CSU. Angst, ihren Populärsten zu verlieren. Also muss er gerettet werden – um jeden Preis. [...]"
  • Minister gerettet, Werte verraten (stern.de, 24.02.2011)
    "[...] Das sagt der Mann, der seine Universität, seinen Doktorvater und die Wissenschaft geleimt hat wie kein Spitzenpolitiker zuvor. Der aus Eitelkeit und Karrierismus andere Autoren bestohlen hat. Der sich eine Sondergenehmigung ausstellen ließ, um den Doktortitel zum frühest möglichen Zeitpunkt in den Briefkopf schreiben zu können und die erschwindelte Auszeichnung dann jahrelang trug. [...]"
  • Plagiate in der Union: Guttenberg schreibt nicht als erster ab (t-online.de, 24.02.2011)
    "[...] Strafzahlungen von 24.000 Euro [...] Da Kasper ein hohes politisches Amt inne hatte, ermittelte die Staatsanwaltschaft Göttingen im öffentlichen Interesse [...] Kasper hatte Mängel an seiner wissenschaftlichen Arbeit eingeräumt, genauso wie Guttenberg. So habe er gedacht, den Anforderungen genügt zu haben, seine Gutachter hätten keine Überarbeitung gewünscht, berichtete er der "Lippischen Landes-Zeitung". "Getäuscht habe ich nicht", sagte Kasper. Seine Partei ließ ihn trotzdem fallen."
  • Kommen Sie, sehen Sie - die Guttenbuße (stern.de, 23.02.2011)
    "[...] Natürlich sind die Positionen von FDP und CDU von Taktik bestimmt. Es geht beiden Parteien um Schadensbegrenzung. Eine Entlassung Guttenbergs, eine Kabinettsumbildung, das alles vor den entscheidenden Wahlen in Baden-Württemberg - ein Horrorszenario für die Kanzlerin. [...]"
  • Der politische Überlebenskampf des KT Guttenberg (welt.de, 23.02.2011)
    Mit "Chronologie des Plagiatsskandals" auf der Seite
    "[...] Die Vorwürfe, vorsätzlich getäuscht oder sich eines Ghostwriters bedient zu haben, wies Guttenberg zurück. [...]"

  • Uni Bayreuth entzieht Guttenberg den Doktortitel (spiegel.de, 23.02.2011)
    "[...] Die wörtliche und sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstoße gegen die Rechtsprechung und die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, erläuterte Bormann. [...]"
  • Interview mit einem Plagiatsjäger: Speerspitze der "Copy und Paste"-Generation (tagesschau.de, 23.02.2011)
    "[...] Im Falle von zu Guttenberg sieht es so aus, dass Textbausteine aus dem Internet übernommen, nicht unter Anführungszeichen gesetzt und nur minimal verändert wurden. Das ist das glasklare "Copy-Paste-Plagiat", sozusagen das Internetplagiat neueren Typs, wie es seit ungefähr zehn Jahren an Universitäten verbreitet ist. [...]"
  • Wenn Dein zu Mein wird (dw-world.de, 18.02.2011)
    "[...] bislang nur Ähnlichkeiten oder Identitäten mit Textstellen, die man im Internet auch finden kann. Die eigentliche Plagiatforschung in Bezug auf dieses Buch hat noch gar nicht angefangen, nämlich zu schauen, welche Werkübereinstimmungen es zu Print gibt. [...]"
  • Integrität (Ethik) (de.wikipedia.org)
    "[...] Das Gegenteil von integer ist korrumpierbar, also sich in seinem Verhalten nicht von inneren Werten und Prinzipien, sondern von äußeren Drohungen und Verlockungen leiten zu lassen. [...]"
  • Interaktiver Guttenberg Report (gut.greasingwheels.org)
    "[...] Bei den folgenden Seiten handelt es sich um vollständig automatisch generierte Darstellungen der im Guttenplag Wiki gefundenen Textstellen. [...]"
  •  Plagiatsopfer stellt Strafantrag gegen Guttenberg (morgenpost.de, 10.05.2011)
  • Bericht der Kommission der Uni Bayreuth zur Doktorarbeit des Guttenberg (issuu.com, 11.05.2011)
    Guttenberg hat demnach beispeilsweise so getan, als wären die Ausführungen des Wissenschaftlichen Dienstes, die er benutzt hat, seine eigenen. Möglicherweise hat er letztlich sogar das Gefühl gehabt, dass die Texte anderer, die er bei Reden vorträgt, dadurch, dass er sie ausspricht, aus ihm kommen? Dass er nur Moderator war, war ihm am Ende vielleicht nicht mehr klar.

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