16.06.2011

Facebooks Wert

Facebook will an die Börse gehen. 500 Millionen Nutzer soll es bereits geben, 700 sind angepeilt. Das soll dann 100 Milliarden Dollar (70 Milliarden Euro) wert sein. Was die Analysten, die das bewerten, zu diesem Ergebnis führt, weiß ich nicht. 80% werden wohl Glaubenssache sein.
Ich glaube nicht mal, dass die Nutzer-Angabe stimmt. Man kann seinen Account bei Facebook nämlich gar nicht löschen. Letztens hatte ich mich mal angemeldet, um mir das da anzusehen und wollte den Account nach einer Stunde erfolgloser Suche nach Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten dann aber gleich wieder löschen. Meine Antwort auf die Frage "Wieso?" zockte Herr Zuckerberg noch von mir ab, dann ließ er mich wissen, dass mein Account nun deaktiviert sei, aber jederzeit per Anmeldung reaktiviert werden könne. - Hä? - Das war noch krasser als die unverblümte Nutzer-Instrumentalisierung, die mir zuvor aufgestoßen war.

Als Selbständige müsse man einen Account da haben, hätte sie gelesen, deshalb hätte sie sich da angemeldet, berichtete mir letztens eine Freundin. So nach dem Motto: Geschäftskonzept, Visitenkarten, Domain, Facebook-Account. Dann gibt es noch die Auswanderer, die sich nur da mit ihrem heimatlichen Freundeskreis treffen können. Und dann noch die, die einfach nur bequem und billig 'ne Homepage machen wollen und diese anderen zeigen möchten. Und die, die sich das ansehen, machen dann auch eine und möchten ebenfalls, dass andere sie ansehen.

Letztlich aber werden alle lieber (wieder) ein echtes Leben führen. Es stimmt zwar, dass derzeit überraschend viele eKommunikations-süchtig sind, aber die laufen auch in jeder freien Minute mit 'ner Bierflasche in der Hand rum. Einige werden damit aufhören, wenn's ernst wird, andere werden abkacken. Mit ihnen dauerhaft rechnen kann man nicht. Und ob die Folgenden das alles noch so fasziniert, wie die Derzeitigen, wage ich zu bezweifeln.

Speziell Facebook wird meines Erachtens sofort verwaisen, sobald ein sympathischeres Angebot von einem Konkurrenten gemacht wird.

Dass Facebook kein nachhaltiges Projekt ist, sondern nur vorübergehend potentiell wird massenhaft Geld scheffeln können, dürfte die Börsianer aber wohl kaum stören. Wie bei Schneeballsystemen werden einige daran verdienen und andere irgendwann dumm dastehen.

Letztlich ist unsere gesamte Weltwirtschaft ein hysterisches Auslaufmodell. Da kann man ruhig noch'n Ballen Stroh in's Feuer werfen.

Mehr dazu:


Facebook plant den Börseneinstieg – Droht uns eine erneute Wirtschaftskrise? (martinc, news.myvideo.de, 15.06.2011)

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